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"Datenschützer warnen vor Kameraflut in Innenstädten
/ Unions-Pläne zur Videoüberwachung stoßen auch bei
anderen Parteien auf Kritik
Öffentliche Straßen und Plätze, die als
Kriminalitätsbrennpunkte eingestuft werden, sollen mit Videokameras
rund um die Uhr überwacht werden. Gegen diesen Plan der CDU/CSU haben
SPD, Grüne, FDP und PDS Einwände. Auch Datenschützer haben
Vorbehalte. Antreiber einer bundesweiten Videoüberwachung zur vorbeugenden
Verbrechensbekämpfung sind der nordrhein-westfälische CDU-Chef
Jürgen Rüttgers, der hierzu eine Vorlage für die Berliner
Unionsfraktion gemacht hat, sowie die Landesinnenminister Günther
Beckstein (Bayern, CSU), Eckart Werthebach (Berlin, CDU) und Jörg
Schönbohm (Brandenburg, CDU). ... Aus dem Kreis der ebenfalls am heutigen
Mittwoch in Hannover tagenden Datenschutzbeauftragten der Länder ist
allerdings Widerspruch zu erwarten. Ihr Problem ist nicht die Überwachung
an sich, die manche von ihnen gutheißen, sondern die Speicherung.
Eine verdeckte Kamerakontrolle, auch wenn durch ein Schild auf sie
hingewiesen wird, sei ein 'unverhältnismäßiger Eingriff
in die Persönlichkeitsrechte', wendet der Berliner Datenschutzbeauftragte
Hansjürgen Garstka gegen die zunehmende Kameraflut im öffentlichen
Raum ein. ... Andere Datenschützer sind nicht grundsätzlich dagegen.
... Die Berliner SPD hat sich bei ihren Koalitionsverhandlungen mit der
CDU darauf eingelassen, Video-Überwachung beispielsweise an gefährdeten
Gebäuden, Friedhöfen und Denkmälern als Schutz gegen Anschläge
oder Schändungen zuzulassen, nicht aber auf Schulhöfen.
... Die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger warnt, die 'permanente
Überwachung' würde das Verhalten von Menschen ändern: 'Es
entsteht permanentes Misstrauen, privates Verhalten wird zum allgegenwärtigen
öffentlichen.'" FR 15.3.00 S. 7
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"Plastikkarte mit Fingerabdruck / Computergenom
auf der Plastikkarte
Chipkarten dringen in zunehmend mehr Bereiche des täglichen
Geschäftslebens vor. Ob als Zugangsausweis, im Gesundheitswesen, als
elektronische Geldbörse, Telefonkarte oder zur Bezahlung von
Fahrpreisen - die kleinen Plastikkarten mit dem intelligenten Rechenchip
werden immer klüger. ... Mit einem Speichervolumen von 20 KByte bis
hin zu fünf Megabyte beim Einsatz optischer Speicher sind sie
mittlerweile so leistungsfähig, dass sich etwa auf einem Gesundheitspass
künftig eine Vielzahl von Zusatzinformationen, wie frühere
Befunde, Medikamentierung und theoretisch sogar Röntgenbilder speichern
ließen. Gefahr dabei: Patientenprofil, Konsumentenprofil oder Bewegungsprofil
machen den Inhaber zum gläsernen Menschen." HB 15.3.00 S.
56
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"EU und USA wollen sich auf Standards
einigen
Du Europäische Union (EU) und die USA haben sich grundsätzlich
über den Schutz persönlicher Daten im Internet verständigt.
... Die Einigung müsse nun in ein konkretes Abkommen umgesetzt werden." WELT 15.3.00
S. 14
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"Einigkeit über Datenschutz in Internet /
Selbstverpflichtung amerikanischer Unternehmen / Strengere Kontrolle
... Wie der EU-Generaldirektor für den Binnenmarkt, John
Mogg, und der amerikanische Handelsstaatssekretär David Aaron berichteten,
verzichtet die Kommission auf gesetzlich verbindliche Schutzvorschriften
für Daten, die aus der EU amerikanischen Unternehmen übermittelt
werden. Im Gegenzug hätten die Vereinigten Staaten strenge
behördliche Kontrollen derjenigen Unternehmen zugesagt, die sich
freiwillig dazu verpflichteten, einen der EU-Datenschutzrichtlinie vergleichbaren
Schutz zu gewährleisten. Diese Unternehmen sollen in ein öffentliches Register
eingetragen werden, so dass sich Kunden aus der EU im Internet darüber
informieren könnten, welche amerikanischen Unternehmen die europäische
Datenschutzgesetzgebung respektieren ('safe harbour'). Die Weitergabe personenbezogener Daten
wäre diesen Unternehmen ohne ausdrückliche Zustimmung des Betroffenen
nicht erlaubt. ... Noch nicht geregelt sei der Datenschutz bei Finanzdienstleistungen." FAZ 15.3.00
S. 18
"Der 'Lauschangriff belastet die NBA / Hohe
Geldstrafen für Basketballtrainer, die keine Mikrofone tragen wollen
Die Führung der nordamerikanischen Profiliga NBA hat die
Basketballteams Seattle SuperSonics und Toronto Raptors wie angekündigt
zu Geldstrafen von je 100 000 Dollar verurteilt. ... Die NBA und der amerikanische Fernsehsender
NBC hatten das Tragen von Mikrofonen eingeführt, um die seit dem Rücktritt
von Superstar Michael Jordan drastisch gesunkenen Einschaltquoten anzuheben.
Künftig soll auch aus den Umkleidekabinen während der Halbzeit
übertragen werden, was bei Trainern und Spielern gleichfalls auf Widerstand
stößt." FAZ 15.3.00 S. 46
Kommentar:
"Glasklar gegen den gläsernen Trainer
... Als 'Eingriff in die Privatsphäre' und 'Lauschangriff'
haben Trainer der Nordamerikanischen Basketball-Profiliga (NBA) die Auflage
des Verbandes geoutet, während der vom Fernsehen übertragenen
Spiele das Mikro am Revers zu tragen. ... Big Brother is watching you.
Gerade in diesen Tagen kann das deutsche Fernsehpublikum verfolgen, wie
ätzend der ständige Blick auf eine Zwangsgemeinschaft sein kann.
... Jene Amerikaner, die ungeachtet der angedrohten und praktizierten Geldbußen
mannhaft Widerstand leisten, tun es zugleich für alle diesseits des
Atlantiks. Im Idealfall ist der gläserne Trainer in Amerika ein Auslaufmodell,
bevor er bei uns in Mode kommen kann." FAZ 15.3.00 S. 46
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"Big Brother im Weltraum / Eine US-Firma
verkauft die Bilder ihres Spionagesatelliten an jedermann
... 'Wir können Gegenstände bis zu einem Durchmesser
von einem Meter erkennen', sagt Brender. Theoretisch könnte man also
testen, ob hinter Nachbars Gartenmauer tatsächlich ein gemauerter
Grill steht. ... Menschenrechtsorganisationen beobachten die Spionageaktivitäten
skeptisch und warnen vor dem Auge Big Brothers im All." BerlZtg
15.3.00 S. 10
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LOKALES
Berlin:
"Die CDU will Video-Überwachung, scheut aber
den Streit mit der SPD / Werthebach möchte Gesetz schnell
ändern, der Koalitionspartner ist aber strikt dagegen
... Obwohl die CDU/SPD-Koalitionsvereinbarung eine flächendeckende
Kontrolle von Straßen und öffentlichen Plätzen in Berlin
nicht zulässt, hält Werthebach die Videoüberwachung für
'ein sehr gutes Mittel zur Prävention und Aufklärung von Straftaten'.
... Hans-Georg Lorenz, innenpolitischer Sprecher der SPD, ist zwar
weiterhin bereit, 'mit der CDU zu diskutieren und Experten anzuhören',
aber Videokameras auf öffentlichen Plätzen kämen nicht in
Frage. 'Weder auf dem Alexanderplatz noch anderswo.' Dort gehörten
leibhaftige Polizisten hin. ... ... die Datenschützer reagieren ablehnend.
'Eine flächendeckende Videoüberwachung öffentlicher
Räume muss verhindert werden', erklärte der Berliner Datenschutzbeauftragte
Jürgen Garstka im neuen Jahresbericht seiner Behörde. Das geltende
Recht erlaube nur den Einsatz von Kameras zur Untersuchung bzw. Verhütung
einer 'Straftat von erheblicher Bedeutung', zur Abwehr einer 'gegenwärtigen
Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit einer Person' und bei 'erheblichen
Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung bei
öffentlichen Versammlungen'. Die angeblich positiven Erfahrungen in
London oder Leipzig beeindruckten Garstka nicht. Gerade dort habe
die Videoüberwachung gezeigt, 'dass selbst großflächig
angelegte Maßnahmen nicht dauerhaft greifen'. Außerdem hätten
sich die kriminellen Aktivitäten in andere Stadtbereiche verlagert.
Der Berliner Datenschützer findet es erstaunlich, dass die Videoüberwachung
trotzdem in der Bevölkerung hohe Akzeptanz besitze, wie Umfragen gezeigt
hätten. Offenbar 'überwiegt das subjektiv wahrgenommene Sicherheitsgefühl
die Wahrnehmung der persönlichkeitsrechtlichen Einschränkungen
bei weitem'." Tsp 15.3.00 S. 14
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