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zum Datenschutz] [Abkürzungen der ausgewerteten
Tageszeitungen]
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"Der gläserne Aktionär / Namensaktien
sind international Standard. Ein neues Gesetz soll den Datenschutz verbessern.
... Doch durch den Datentausch zwischen Banken, Börsen
und Aktiengesellschaften stellt sich die Frage des Datenschutzes.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warnt vor dem
'gläsernen Aktionär'. ... Joachim Jacob, der Bundesbeauftragte
für den Datenschutz, befürchtet einen Missbrauch der Aktionärsdaten
für Werbung und Marketing. Für ihn wäre es sinnvoll, wenn
sich das Recht auf Einsicht in das Aktienbuch für jeden Aktionär
auf seine eigene Position beschränken würde. Jacob: 'Auch
macht es wenig Sinn, Angaben über den Beruf in das Aktienbuch einzutragen.'
Er fordert eine Revision des teilweise noch aus dem vorigen Jahrhundert
stammenden Aktiengesetzes. ... Wer anonym bleiben will, lässt einen
Dritten - beispielsweise die Depotbank - registrieren. ... Der Haken: Für
den Besuch jeder Hauptversammlung muss man sich dann eine mit Kosten verbundene
Vollmacht geben lassen. ... Unternehmen wie Daimler-Chrysler machen darauf
aufmerksam, dass sie den Aktionären immer nur Einblicke in bestimmte
Teile des Aktienbuches geben. ... ... Entwurf eines Gesetzes zur Namensaktie
und zur Erleichterung der Stimmrechtsausübung - Namensaktiengesetz
(NaStraG) ... : Paragraph 67 Abs. 5, der zuließ, dass 'jedem Aktionär
auf Verlangen Einsicht in das Aktienbuch zu gewähren ist', wird gestrichen.
Allerdings hat dafür durch Abs. 7 jeder 'Aktionär das Recht,
von der Gesellschaft Auskunft über die zu seiner Person in das Aktienregister
eingetragenen Daten zu erhalten'. ... Im Gesetzentwurf wurde auf die Berufsangabe
verzichtet. Dafür soll nun - wohl zur exakten Identifizierung des
Aktienbesitzers - das Geburtsdatum im Aktienregister stehen." HB 31.3./1.4.00
S. 11
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"'Finanzbeamte wollen keine Schnüffelstaat'
Der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Dieter Ondracek,
verteidigt die Absicht der Bundesregierung, Finanzbeamten den Zugriff auf
die Computersysteme von Wirtschaftsunternehmen zu gewähren. Der Widerstand
von Steuerberaterverband und Steuerzahlerbund, die vor 'Schnüffelstaat'
und 'gläsernem Bürger' warnten (F.A.Z. vom 30. März),
sei ihm schon deshalb unverständlich, weil mit der Neuregelung lediglich
eine gängige Praxis festgeschrieben werde. ... Nach der geltenden
Rechtslage müssten die Unternehmen sonst sämtliche Daten auf
Aufforderung auf Papier ausdrucken - 'das würden sie aber als Schikane
empfinden'. Nach Ondraceks Ansicht handelt es sich bei dem Vorhaben um
eine längst fällige Anpassung des Gesetzes an die technische
Entwicklung." FAZ 31.3.00 S. 15
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"Streit um Auswertung von Stasi-Protokollen /
Gauck mahnt zu Vorsicht bei Verwendung in CDU-Affäre
... Auch der CDU-Verfassungsexperte Rupert Scholz lehnt eine
Verwendung der Stasi-Abhörprotokolle ab. Die Stasi-Unterlagen seien
illegal zu Stande gekommen. Sie dürften im Ausschuss, der nach den
Regeln der Strafprozessordnung arbeite, nicht zu Lasten von Bürgern
herangezogen werden. ... Der PDS-Vizeobmann im Ausschuss, Roland Claus,
erinnerte daran, dass die Verwendung von Stasi-Akten gegen Ostdeutsche
für diese zu erheblichen Auswirkungen geführt hätten. Es
dürfe deshalb nicht mit zweierlei Maß gemessen werden." BerlZtg
31.3.00 S. 7
"Thierse gegen Akten-Verwertung / Bundestagspräsident will MfS-Material nicht im CDU-Ausschuss verwenden lassen" Tsp 31.3.00 S. 5
"CDU mag nur Stasi-Akten, die ihr nicht schaden / Heftige Debatte über die Nutzung der MfS-Protokolle" ND 31.3.00 S. 1
"Thierse gegen Verwendung der Stasi-Akten / Stasi schon vor 1976 über Parteispendenpraxis deutscher Unternehmen im Bilde" HB 31.3./1.4.00 S. 4
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"Neue Gesetze: Recht auf Akteneinsicht für
jedermann / Gläserne Verwaltung
... Immer mehr Bundesländer verabschieden Gesetze, die
allen Bürgern das Recht zur Einsicht in Behördenakten geben.
Nach Brandenburg (März 1998) und Berlin (Oktober 1999) hat nun auch
Schleswig-Holstein Ende Januar 2000 ein solches Informationsfreiheitsgesetz
(IFG) verabschiedet. ... Mit einer Welle des Ansturms rechnet der
schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Helmut Bäumler
nicht, denn die Erfahrungen in den anderen Ländern hätten gezeigt,
dass die Bürger nur langsam Interesse an ihren Akten finden." FINANZtest
4/2000 S. 10
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"Führt die Erbgut-Analyse zum 'gläsernen
Menschen'? / 'Daten des menschlichen Erbguts veröffentlichen'
... Professor Ernst Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen
Forschungsgemeinschaft. ... Durch die Entschlüsselung des menschlichen
Genoms sei der 'gläserne Mensch' nach Winnackers Auffassung zwar denkbar,
vielmehr sei jedoch die Kenntnis der Gensequenzen nützlich bei der
Entwicklung neuer Arzneimittel oder bei der Verbrechensbekämpfung." WELT 31.3.00
S. 35
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"Wirtschaftsfeindlich / Wirtschaftsministerium
verschleppt Anti-Korruption-Register
... So beschloss schon die alte Bundesregierung 1998, ein Anti-Korruption-Register
einzurichten. Es soll all jene Firmen verzeichnen, die nachweislich Schmiergelder
gezahlt haben. Diese Betriebe sollen künftig keine Aufträge mehr
erhalten." taz 31.3.00 S. 11
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"Empörung in den EU: US-Spione hören
europäische Firmen ab / Regierungen bestätigen erstmals
die Existenz des Spionagesystems 'Echelon' - Abgeordnete fordern Untersuchungsausschuss
... Vor diesem Hintergrund bezeichnete die Grünen-Europaabgeordnete
Ilka Schröder das geplante Datenschutzabkommen von EU und USA als
'Farce'. Das Abkommen soll europäischen Internet-Nutzern auch im Verkehr
mit US-Firmen europäische Datenschutzstandards garantieren." WELT 31.3.00
S. 1
"EU will Schutz vor Spionage / Echelon-System
... Gomes sagte: 'Der Rat kann nicht akzeptieren, dass
ein Spionagesystem besteht, das die Grundrechte verletzt.' Das Abhören
von Telefonen und das Ausspionieren elektronischer Post könne
nur in Ausnahmen erlaubt sein, etwa gegen organisierte Kriminalität. Liikanen
wies darauf hin, dass die von der EU beschlossene Wissensgesellschaft nur
real werde, wenn die Bürger Vertrauen in die Telekommunikationstechnik
hätten." HB 31.3./1.4.00 S. 11
"'Echelon' im Europaparlament / Untersuchungsausschuss soll weltweites Abhörsystem der USA durchleuchten" ND 31.3.00 S. 2
"Freund hört mit / Was alle ahnten, musste die EU jetzt offiziell bestätigen: Europas Staaten sind das Opfer eines ganz großen Lauschangriffs durch die USA" WELT 31.3.00 S. 3
Kommentar:
"Bruders Echo
... Vor den Gauck-Akten sind eben doch nicht alle gleich, ...
. Und die Geschichte bekommt noch einen viel weiteren Horizont, wenn man
in diesen Tagen nach Brüssel schaut. Auch dort geht es gerade um Datenschutz
und Spionage, wird der sprichwörtliche 'Big Brother' im Europaparlament
unter die Lupe genommen. ... Dieser Geheimdienst-Bruder ist überall.
In seinem weltweiten digitalen Spinnennetz namens 'Echelon' verfangen sich
nicht nur die Telefonate, Faxe und E-Mails von Mafiosi und Terroristen,
sondern auch Firmen mit ihren Geschäften. Oder politisch unliebsame
Personen. Selbst harmlose Zeitgenossen. Doch hier blieb der Aufschrei bisher
aus." ND 31.3.00 S. 1
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LOKALES
Berlin:
"Datenschützer kontrollieren Internet
... Mittlerweile arbeiten in der Stadt etwa 8000 Firmen
mit neuen Medien- sowie im Teledienstleistungsbereich. Was die Firmen allerdings
mit den von Kunden gesammelten Daten machen und wie sie Persönlichkeitsrechte
wahren, kontrolliert bislang niemand. Obwohl der Datenschutzbeauftragte
die Aufgabe bereits seit mehr als einem Jahr per Gesetz wahrnehmen müsste.
Heute will der Hauptausschuss endlich Geld für eine Stelle
in dem Amt bereit stellen. Nach Angaben des Chefs der Behörde Hansjürgen Garstka
kann der Mitarbeiter allerdings nur Stichproben vornehmen. ... Die bisherige
Situation bezeichnete Garstka als ungenügend. So kümmerte sich
ob fehlender Mittel bislang ein Mitarbeiter nebenbei um die Aufgabe und
schaffte es gerade einmal, Beschwerden zu bearbeiten sowie Bürger
und Firmen zu beraten." MoPo 31.3.00 S. 33
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"Nach etlichen Pleiten und Pannen schlagen nun
die Granaten im Vorzimmer des Berliner Innensenators ein / Das
Landesamt für Verfassungsschutz wird in Zukunft keine selbstständige
Behörde mehr sein / Ein breiter Strom des Flüsterns
... Innensenatoren kamen und gingen. Pätzold (SPD) wurde
selbst vom Amt observiert. Heckelmann (CDU) ... . Schönbohm (CDU)
hatte mit der Scientology-Angelegenheit zu kämpfen und musste zähneknirschend
den fälschlich verdächtigten Polizisten rehabilitieren, den man
schon vom Dienst suspendiert hatte." FAZ 31.3.00 S. 2
"Gut unterrichtete Kreise / Der Verfassungsschutz
der Hauptstadt wird aufgelöst. Oberster V-Mann ist künftig der
Berliner Innensenator. Der wollte sich auch vor der Verbreitung unliebsamer
Nachrichten schützen
... Weiteres Problem: Das Trennungsgebot von Polizei und Geheimdienst.
Werthebach hatte angekündigt, durch die Eingliederung des Verfassungsschutzes
in sein Haus würden sich 'Synergieeffekte' ergeben. ... Klaus-Uwe
Benneter, der für die Sozialdemokraten im Verfassungsschutzausschuss
sitzt, mahnt ebenfalls an, die Beeich Polizei und Nachrichtendienst
müssten strikt getrennt bleiben, damit sich nicht klammheimlich eine
'neue geheime Staatspolizei' entwickeln könne." taz 31.3.00
S. 21
"Verfassungsschutz ohne Grenzen / Neue Organisationsform
erster Schritt in Fusion mit brandenburgischem Geheimdienst
... Vereinbartes Ziel sei ohnehin, die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit der Verfassungsschützer auszubauen. ... Mit Werthebachs
Vorschlag deutet sich auch ein Verzicht auf die Beobachtung von Teilen
der PDS ab. ... Am Mittwoch hatte Werthebach bereits angekündigt,
künftig würde im Extremismusbereich vor allem die gewaltgeneigte
Szene beobachtet - damit würde etwa die Kommunistische Plattform wegfallen.
Die Beobachtung der 'AG Junge GenossInnen' in der PDS war vom Berliner
Verfassungsschutz bereits vor einigen Monaten eingestellt worden."
Tsp 31.3.00 S. 10
Kommentar:
"Schlapphüte an kurzer Leine / Berliner Verfassungsschutz
wird dem Innensenator unterstellt
... Auch will der Senator bei der Bekämpfung des Extremismus
den Einsatz des Verfassungsschutzes künftig auf die 'gewaltbereiten
Szenen' beschränkt sehen. Ein alter Hut, das Gleiche hat Werthebach
bereits vor Jahren als Präsident des Kölner Bundesamtes für
Verfassungsschutz reklamiert - ohne dass es Folgen gehabt hätte. Mit
anderen Worten: V-Leute, elektronische Wanzen und was die Schlapphüte
sonst noch an klandestinen Methoden aufbringen können, sollen nur
noch dort eingesetzt werden, wo vermeintliche Verfassungsfeinde ihre
Ziele mit gewaltsamen Mitteln durchzusetzen suchen. Das hört sich
gut an, dürfte in der Sache aber danebengehen. Es sind nur Worthülsen.
Beispielhaft zeigt sich das bei der Enttarnung eines ehemaligen Stasi-Offiziers,
der vom Berliner Verfassungsschutz als V-Mann in die PDS eingeschleust
wurde. ... Nicht die Tatsache der Einschleusung eines geheimen Informanten
in eine demokratisch legitimierte Partei empört den Senator. Nein,
ihn empört, dass der V-Mann-Einsatz bekannt wurde." taz 31.3.00
S. 11
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Brandenburg:
"Grundbücher werden elektronisch geführt
Die Verwaltung in Brandenburg nimmt Kurs auf das elektronische
Grundbuch. ... Damit soll künftig der elektronische Datenaustausch
zwischen den Grundbuch- und Katasterämtern 'reibungslos' gewährleistet
sein." BerlZtg 31.3.00 S. 30
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"Start für erste Video-Überwachung in Schulbussen" WELT 31.3.00 S. 43
"Video-Überwachung in Schulbussen begann
Erstmals wird seit Donnerstag in Brandenburg ein Schulbus per
Video überwacht." BerlZtg 31.3.00 S. 30
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