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"Spenden-Ausschuss will ohne Stasi-Akten arbeiten
/ Kohl-Anwalt Pförtner: 'Wir klagen trotzdem'
Die im Bundestag vertretenen Parteien wollen derzeit auf die
Nutzung von Stasi-Abhörprotokollen bei der Aufklärung der CDU-Spendenaffäre
im Untersuchungsausschuss verzichten. Nach einem Treffen der Fraktionschefs,
das auf Initiative von FDP-Chef Wolfgang Gerhardt gestern zu Stande gekommen
war, begründete der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck die
Entscheidung vorrangig mit dem Schutz der Persönlichkeitsrechte von
Helmut Kohl. ... Dagegen hatte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen,
Joachim Gauck, eine Verwendung der Stasi-Protokolle im Untersuchungsausschuss
sowie die teilweise Herausgabe an Journalisten und Wissenschaftler mit
Nachdruck für zulässig erklärt - wenn entsprechende Anträge
gestellt würden. 'Die Entscheidung der Fraktionsvorsitzenden
berührt uns nicht, wenn die Parlamentarier im Spendenuntersuchungsausschuss
keine Stasi-Akteneinsicht beantragen wollen, so ist das ihre Sache', sagte
Gauck-Sprecher Johann Legner gestern zur WELT. Wissenschaftler und Journalisten
würden gemäß dem Stasi-Unterlagengesetz Einsicht in das
Material erhalten, bekräftigte Legner." WELT 10.5.00
S. 2
"Abhörprotokolle der Stasi werden vorerst
nicht genutzt / Fraktionsvorsitzende einig / CDU will SPD-Finanzen
im Untersuchungsausschuss zur Sprache bringen
... Der SPD-Fraktionsvorsitzende Struck wies nach der Unterredung
darauf hin, dass die Rechtsauffassungen zur Nutzung der Abhörprotokolle
nach wie vor auseinander gingen. Solange aber niemand eine Entscheidung
des Bundesverfassungsgerichts herbeiführe, sollten die Stasi-Unterlagen
nicht verwendet werden." FAZ 10.5.00 S. 2
"Bleiben die Stasi-Akten von Helmut Kohl tabu?
/ Ströbele stört den 'Burgfrieden' im Bundestag / Fraktionschefs
gegen Beweis-Nutzung im Untersuchungsausschuss - Grüner ignoriert
Beschluss
... 'Wenn andere Akten mit ergiebigen Inhalten für die
Aufklärung bekannt werden, dann schließe ich die Nutzung nicht
aus. Das geht rechtlich und muss möglich sein.' (Hans-Christian Ströbele)"
MoPo 10.5.00 S. 2
"Bundestag will Kohl und CDU vor Stasiakten schützen / Fraktionschefs lehnen Nutzung von MfS-Material im Spendenausschuss ab" ND 10.5.00 S. 1
Kommentar:
"Der einfachste und peinlichste Weg
... Die Fraktionschefs haben sich mit ihrem Verzicht auf die
Verwendung der Akten für den augenblicklich einfachsten doch zugleich
politisch peinlichsten Weg entschieden. Den einfachsten, weil er Streit
und die öffentliche Auseinandersetzung über das immer wieder
umstrittene Stasi-Unterlagengesetz und den Umgang mit den Akten vermeidet.
Den peinlichsten aus zwei Gründen: Erstens, weil sich die Abgeordneten
ein Recht beschneiden, das sie sich selbst gegeben haben und das beispielsweise
Journalisten in nächster Zeit ausgiebig wahrnehmen können. Die
Parlamentarier werden also weiterhin in den Zeitungen lesen, was sie selbst
nicht wissen wollen. Statt zu handeln, machen sie sich zu Getriebenen.
Der zweite Grund liegt in dem schwer zu entkräftenden Vorwurf, hier
werde eine Art 'Lex Kohl' gegossen für die Aufklärung von unrechtmäßigen
Machenschaften im Westen." BerlZtg 10.5.00 S. 4
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"Selbstkontrolle ist besser / Keine Datenschutzbeauftragten
in Redaktionen
... Eine Neuregelung des Schutzes personenbezogener Daten,
die zu journalistischen und literarischen Zwecken verarbeitet werden, ist
durch eine EU-Richtlinie von 1995 notwendig geworden. Wie Schily und Robert
Schweizer, Sprecher des Deutschen Presserats, erläuterten, wolle man
diesen Datenschutz nun auf 'zwei Säulen' stellen. Auf gesetzlicher
Ebene wird das Bundesdatenschutzgesetz novelliert, dabei werden lediglich
Standards sowie eine Verpflichtung zum Schadensersatz bei Verletzung dieser
Standards vorgegeben. Gleichzeitig verpflichtet sich der Deutsche Presserat
zur Schaffung einer wirksamen Selbstkontrolle, die vor allem durch ein
Beschwerdeverfahren gewährleistet wird. ... Schily äußerte
sich zuversichtlich, dass dieses Konzept auch die notwenidge Zustimmung
der Bundesländer finden wird. Wie Schweizer hält auch der Innenminister
Befürchtungen für nicht begründet, dass die neue Regelung
auf europäischer Ebene angefochten werden könnte. Der Bundesinnenminister
verwies darauf, dass auch andere Länder den Weg der Selbstregulation
durch die Presse gegangen seien. Presserats-Sprecher Schweizer sagte: 'Die
EU-Richtlinie schreibt weder betriebliche Datenschutzbeauftragte noch eine
staatliche Aufsichtsbehörde vor.'" Tsp 10.5.00 S. 31
"Der Staat nimmt sich zurück / Neuregelung des Datenschutzes in Redaktionen" BerlZtg 10.5.00 S. 21
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"Nahes Ende der Ungleichbehandlung von Namens-
und Inhaberaktie / Bundesregierung reformiert das Aktienrecht / Stimmrechtsausübung
erleichtert / Mehr Datenschutz für Anleger
... Das Gesetz, das möglichst zu Beginn des kommenden Jahres
in Kraft treten soll, stärkt ferner den Datenschutz der Anleger. So
werden die Daten, die in das Aktienregister (früher 'Aktienbuch')
aufgenommen werden, neu festgelegt. Die bisher geltenden Einsichtsrechte
werden stark beschränkt; sie bleiben künftig auf die eigenen
Daten des Aktionärs begrenzt. Durch das Wertpapierhandelsgesetz sei
eine ausreichende Transparenz über die Struktur der Anteilseigner
gegeben, heißt es zur Begründung. Überdies wird die Verwendung
von Daten eingeengt: Sie dürfen zwar noch für aktienrechtliche Aufgaben
und Unternehmenszwecke genutzt werden. Der Nutzung für gewerbliche Zwecke
außerhalb der Gesellschaft, etwa Marketing oder Werbung, kann der Aktionär
widersprechen." FAZ 10.5.00 S. 19
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"Frankreich regelt die digitale Unterschrift /
Rechtlicher Grundstein für den Internet-Handel
... Der französische Gesetzgeber hat sich jedoch für
einen grundlegend anderen Ansatz entschieden, als er in Deutschland gewählt
wurde. Während das deutsche Signaturgesetz vornehmlich die institutionellen
Rahmen- und Sicherheitsbedingungen für den elektronischen Handel
regelt, die Verwendung digitaler Signaturen und ihrer Rechtsfolgen
hingegen nur am Rande betrifft, wurde in Frankreich das allgemeine Vertrags-
und Beweisrecht an die Erfordernisse des Internet-Handels angepasst und
damit nahezu revolutioniert. Die Rahmen- und Sicherheitsbedingungen sind
demgegenüber noch nicht festgelegt worden und bleiben einer Regelung
durch den Staatsrat vorbehalten." FAZ 10.5.00 S. 26
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"Britischer Geheimdienst will im Internet
schnüffeln
... Das umgerechnet 82 Millionen Mark teure Projekt soll, so
ein Regierungssprecher, den Geheimdiensten einen entscheidenden Vorteil
bei der Bekämpfung der Kriminalität im Netz verschaffen. ...
Englische Experten vermuten, dass die neue Einrichtung unter dem Kürzel
GTAC (Goverment Technical Assistance Centre) auf dem Gelände
der britischen Spezialeinheit MI5 in London entstehen wird. Alle britischen
Internet-Service-Provider werden mit der neuen Einheit verbunden - dazu
werden spezielle Leitungen verwendet, die die Firmen selbst bezahlen sollen.
Zu den Hauptaufgaben der neuen Task Force soll das Dechiffrieren von verschlüsselten
Nachrichten im Internet gehören. Aber auch die Überwachung des
E-Mail-Verkehrs und der Telefonleitungen soll dort zentral koordiniert
werden." WELT 10.5.00 S. WW1
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LOKALES
Berlin:
"BVG will Vandalen in Bus und Tram filmen
/ Pilotprojekt mit jeweils 50 Kameras geplant - Gerichte müssen Videoaufnahmen
als Beweise akzeptieren
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen vermutlich noch in
diesem Jahr 50 Busse und Straßenbahnen mit Videokameras ausstatten.
... Die Fahrer von Bussen und Straßenbahnen beobachten das Geschehen
in ihren Fahrzeugen und aktivieren die Videoaufzeichnung erst, wenn sie
sehen, dass Fahrgäste sich ungewöhnlich verhalten und sich eine
Straftat anbahnen könnte. Nach Ansicht des Berliner Datenschutzbeauftragten
Hansjürgen Garstka ist es sogar zulässig, immer die letzten fünf
Minuten sicherheitshalber zu speichern, falls der BVG-Fahrer die Videoaufzeichnung
zu spät aktiviert. ... Ob der BVG-Vorstand der Erweiterung der Videoüberwachung
zustimmt, hängt davon ab, ob Berliner Gerichte die Aufnahmen als Beweismittel
akzeptieren." WELT 10.5.00 S. 37
"Video-Überwachung in Bussen und Bahnen / Testprojekt für mehr Sicherheit bei der BVG" MoPo 10.5.00 S. 27
Kommentar:
"Big Brother fährt mit" WELT 10.5.00
S. 37
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"Im Fokus der Videoaugen / Streit über Kameras in Schöneberger Mietshaus vor Gericht" Tsp 10.5.00 S. 14
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