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"Industrie gegen Cyber-Polizei / Konferenz zu
Computersabotage - Microsoft bietet Virenschutz an
Im Kampf gegen die Kriminalität im Internet will die
Computerindustrie zwar mit den Behörden zusammenarbeiten, aber nicht
zu deren Hilfspolizei werden. Eine so genannte Co-Regulierung zwischen
den Regierungen und der Industrie - wie sie der französische Premierminister
Lionel Jospin vorgeschlagen hatte - lehnte die Industrie auf dem G-8-Treffen
in Paris ab. ... Der Softwarehersteller Microsoft will seine Programme
für elektronische Post (E-Mail) besser gegen Computerviren wie den
Virus 'I love you' schützen. Das Unternehmen werde ab dem 22. Mai
im Internet einen kurzen Softwarezusatz für das Programm 'Microsoft
Outlook' zur Verfügung stellen, kündigte ein Microsoft-Manager
an. Der Code werde die Software ergänzen und den Empfang virenverseuchter
E-Mails über das Internet verhindern. Außerdem werde 'Outlook'
dem Benutzer in Zukunft jeden Zugriff eines Programms auf die Adressdateien
melden und das Programm nur nach einer Bestätigung fortsetzen."
WELT 17.5.00 S. 13
Kommentar:
"Die Politik und die Viren
Der beim G-8-Treffen in Paris eingebrachte Vorschlag, den spektakulären
Sabotageumtrieben im Internet mit einer Cyberpolizei zu begegnen, ähnelt
der Idee, ein unzulängliches Schienennetz durch verstärkten Einsatz
von Bahnpolizei betriebssicher machen zu wollen. ... Das ist kein Polizeiproblem,
sondern erfordert planende Vorausschau auf die nun absehbar gewordenen
kommerziellen Anwendungsszenarien und kriminellen Missbrauchsmöglichkeiten."
WELT 17.5.00 S. 10
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"Ein Netz aus 120 lauschenden Satelliten / 1. Teil der WELT-Serie über Abhörtechnologien: Die Möglichkeiten des Spionagenetzwerks Echelon" WELT 17.5.00 S. 39
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LOKALES
Berlin:
"Fußfesseln für polizeibekannte Randalierer
zum 1. Mai / Gewerkschaft schlägt kostengünstige Variante des
vorbeugenden Gewahrsams vor
... Dies sei kostengünstiger und milder für die betreffenden
Personen, sagte Berlins GdP-Chef Eberhard Schönberg der Berliner Morgenpost.
... Die Fußfessel zeigt eine Überschreitung von 30 bis
60 Metern von dem zugeteilten Aufenthaltsraum an. Verlässt die Person
zum Beispiel unerlaubt ihre Wohnung, wird dies der Polizei elektronisch
mitgeteilt. Schönberg: 'Für die polizeibekannten Autonomen
sicherlich auch angenehmer als Nächte in Polizeigewahrsam. Außerdem
zeigt das Gerät zudem an, ob der Träger es einfach unerlaubterweise
abnimmt oder zerstört.'" MoPo 17.5.00 S. 27
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"Gebühr für die Akteneinsicht
Bei der Akteneinsicht, die Bürger nach dem Informationsfreiheitsgesetz
seit Ende vergangenen Jahres beantragen können, werden je nach Bearbeitungsaufwand
Gebühren zwischen 20 und 1.000 Mark fällig. Mündliche Auskünfte
sind in der Regel gebührenfrei, beschloss gestern der Senat. ... Wer
umfangreiches Material, wie eine Aufstellung aller Grundstücke eines
Bezirkes anfordert, muss mit 1.000 Mark rechnen. Über die Kosten kann
man sich vorab informieren. Das Einsichtsrecht gilt grundsätzlich
für alle Verwaltungsakten. Ausgenommen sind Unterlagen über die
interne Willensbildung wie Senatsprotokolle, sicherheitsrelevante Akten
sowie Dokumente, die Dritte oder andere Bundesländer betreffen."
taz 17.5.00 S. 19
Kommentar:
"Freiheit kostet
Es klang so gut: Der Bürger hat das Recht auf
Einsicht in Behördenakten. Das schrieb gegen den erklärten Willen
der CDU und mit einigen eher geringen Einschränkungen eine Mehrheit
von SPD, PDS und Bündnis 90/Die Grünen als 'Informationsfreiheitsgesetz'
fest. Doch Freiheit kostet. Die Preise bestimmte gestern der Senat auf
Vorlage des Finanzsenators Peter Kurth (CDU!) per Änderung der 'Verwaltungsgebührenordnung'.
... Bei 'aufwändigeren Anfragen richtet sich die Gebührenhöhe
nach dem Umfang und der Verfügbarkeit des Aktenmaterial' und
kann von vergleichsweise bescheidenen 20 Mark bis zu 1000 Mark reichen.
... Der Trend ist eindeutig. Es wird weniger gefragt, davon weniger beantwortet
und was bleibt, kann spürbar kostenpflichtig sein." ND 17.5.00
S. 17
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"Web-Steckbriefe mit Datenschutz
... Laut Innenstaatssekretär Rüdiger Jakesch wurden
bislang zehn Berliner per internationalem Steckbrief gesucht. Im Datenschutzausschuss
sicherte Jakesch gestern zu, dass die Daten vor Manipulation und fremdem
Zugriff gesichert werden. So stimmte die Verwaltung Forderungen des
Datenschutzbeauftragten sowie des Parlaments zu, wonach Sicherheitstechniken
wie so genannte elektronische Wasserzeichen verhindern sollen, dass Daten
verfälscht werden können. ... Das Gremium verständigte sich
darauf, dass nur Schwerverbrecher mit Hilfe des Internets gesucht werden
sollen, da die Daten weltweit abrufbar sind." MoPo 17.5.00 S. 29
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"Personalrat stoppt Anti-Korruptions-Truppe / Spandauer Prüfgruppe als 'Stasi innerhalb eines Dienstbereiches' bezeichnet" Tsp 17.5.00 S. 15
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Hessen:
"Ein Schwatz am Briefkasten kann Alarm auslösen / In Hünfeld überwacht ein Computersystem den Lebensrhythmus von Straftätern mit elektronischer Fußfessel" FAZ 17.5.00 S. 12
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"Überwachung per Video in Hessen
Der hessische Landtag hat am Dienstag ein neues Polizeigesetz
verabschiedet, das die Überwachung öffentlicher Plätze und
Räume mit Videokameras gestattet." ND 17.5.00 S. 4
"Hessen erlaubt Schleierfahndung
CDU und FDP haben am Dienstag im hessischen Landtag gegen die Stimmen
der SPD und Bündnis 90/Die Grünen ein neues Polizeigesetz verabschiedet.
Im Rahmen der so genannten Schleierfahndung erlaubt es der Polizei, in
Zukunft Fahrzeuge auf überregionalen Durchgangsstraßen auch
ohne konkrete Verdachtsmomente zu kontrollieren. Außerdem sieht das
Gesetz die Möglichkeit des Unterbindungsgewahrsams vor. Potenzielle
Gewalttäter können dann bis zu sechs Tage vorbeugend in Haft
genommen werden, außerdem dürfen in Zukunft öffentliche
Plätze mit Videokameras überwacht werden." FAZ 17.5.00
S. 5
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Brandenburg:
"Verärgerte SPD-Fraktion greift eigene Minister
an / Krisensitzung im Landtag - Abgeordnete fordern eine bessere Abstimmung
- Doch kein Einlenken bei Videoüberwachung
... Ähnlich verhalte es sich bei der von Innenminister
Schönbohm geforderten Videoüberwachung von öffentlichen
Plätzen zur Eindämmung der Kriminalität. Auch hier gebe
die CDU den Kurs an. Zwar diskutierte die SPD über die Installation
von Kameras, doch wurde kein Beschluss gefasst. 'Wenn, dann nur als absolute
Ausnahme', war der Tenor in der Fraktion. Dies käme einer Ohrfeige
für den Fraktions-Chef Fritsch gleich, der zuletzt ein Einlenken der
SPD in diesem Streit signalisiert hatte." WELT 17.5.00 S. 48
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