[Weitere Ausgaben]
[Zur Suche über alle bisherigen Ausgaben]
[Überblick über sonstige Veröffentlichungen
zum Datenschutz] [Abkürzungen der ausgewerteten
Tageszeitungen]
*
"Datenschützer kritisieren Telekom-Verordnung
/ 'Call-by-Call-Kunden nicht vor Missbrauch geschützt'
Die Bundesregierung stößt mit ihrer neuen Datenschutzverordnung
für die Telekommunikation auf Kritik. ... Der niedersächsische
Datenschutzbeauftragte Burckhard Nedden, gleichzeitig Vorsitzender der
Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder, forderte
die Länderkammer dazu auf, 'das Recht der Kundinnen und Kunden auf
unbeobachtete Telekommunikation' wirksamer zu schützen. 'Der Bundesrat
sollte der Verordnung nur mit datenschutzfreundlichen Verbesserungen zustimmen. Die
Bundesregierung muss die Verordnung dann entsprechend ändern', betonte
Nedden. Sorge bereitet den Datenschützern vor allem, dass die Telekonkunden
künftig nur noch gegenüber der Stelle, die die Rechnung ausstellt,
die Speicherung ihrer Verbindungsdaten beeinflussen können. ... Auf
die Speicherung bei anderen Dienstleistern, beispielsweise im Call-by-Call-Verfahren,
haben sie keinen Einfluss mehr. Dazu kommt, dass fortan gespeicherte Verbindungsdaten
nicht mehr bereits nach 80 Tagen, sondern erst nach sechs Monaten gelöscht
werden müssen. ... 'Die Daten können von den Anbietern aber auch
durchrastert werden, um Kundenprofile zu erstellen', erklärt Neddens
Sprecher Wilfried Seiffert. ... Nach Erkenntnissen aus dem Haus des
Bundesdatenschutzbeauftragten Joachim Jacob würde für die Kontrolle
der Rechnungen eine Frist von drei Monaten völlig ausreichen.
Unerfreulich ist nach Ansicht der Datenschützer auch, dass die Verbindungsdaten
ungehindert ins Ausland verkauft werden können. ... Der Bundesdatenschutzbeauftragte
Jacob moniert schließlich, dass Telefonkunden nicht von vorne herein
anonym telefonieren und ihre Rechnungen bezahlen können. Jacob verweist
in einem internen Vermerk, der dem Handelsblatt vorliegt, auf den Grundsatz
der 'Datensparsamkeit': Ohne handfesten Grund sollen keine Daten gespeichert
werden." HB 6.7.00 S. 9
*
"EU-Datenschutzabkommen mit USA gerät ins
Wanken / Europäisches Parlament fordert Kommission zu Nachverhandlungen
auf
... Mit knapper Mehrheit hat das Parlament einem Entschließungsentwurf
zugestimmt, der den Schutz in den USA nur unter bestimmten Bedingungen
für angemessen erklärt: Einzelpersonen sollen das Recht
haben, an einer unabhängigen Stelle Beschwerde einzulegen. Jede Beschwerde
müsse geprüft werden. Unternehmen, die gegen den Sicheren Hafen
verstoßen, sollen Schadensersatz zahlen müssen. Das Abkommen
regelt den Transfer persönlicher Daten von EU-Bürgern in die
USA ... . Sein Kernpunkt sieht vor, dass sich US-Unternehmen freiwillig
zur Einhaltung bestimmter Datenschutzgrundsätze verpflichten ... .
Die EU-Datenschutzrichtlinie verbiete die freie Datenübermittlung
in Drittländer, die keinen angemessenen Schutz gewähren. Dieser
Schutz ist nach Ansicht des Parlaments nach gegenwärtigem Stand nicht
gegeben. ... Die Kommission müsse zunächst prüfen, in welchem
Umfang sie an den Parlamentsbeschluss gebunden sei, so ein Kommissionssprecher." HB 6.7.00
S. 9
*
"Flächendeckende Videoüberwachung abgelehnt
/ Anhörung im Innenausschuss / Ute Voigt (SPD) warnt vor Scheinsicherheit
/ Ruf nach Gesetz
Bei der Anhörung des Innenausschusses des Deutschen Bundestages
zur umstrittenen Videoüberwachung öffentlicher Räume waren
sich am Mittwoch in Berlin alle Sachverständigen über vier Punkte
im wesentlichen einig:
- Videoüberwachung ist auf jeden Fall ein Eingriff in das informelle
Selbstbestimmungsrecht des Bürgers.
- Deshalb bedürfe es einer gesetzlichen Grundlage.
- Es dürfe keine flächendeckende Überwachung geben, sie
dürfe nur an bestimmten Kriminalitätsschwerpunkten stattfinden.
- Die aufgezeichneten Daten müssten wieder gelöscht werden.
... Vor allem über die Löschungsfristen hatten die Experten
unterschiedliche Auffassungen. ... Der Vertreter des Bundesdatenschutz-Beauftragten,
Roland Bachmeier, warnte davor, diese Fristen genau festzulegen, das müsse
nach dem Erfordernis geschehen. ... Der Trierer Strafrechtler Hans Dieter Kühne
... ... kritiserte, dass der Gesetzentwurf des Bundes die Tür zur
flächendeckenden Überwachung öffne. ... In Deutschland sind
nach Angaben des Grünen-Sprechers Cem Özdemir über
300 000 Videokameras bereits im Einsatz, die meisten im privaten Bereich,
aber auch in öffentlich zugänglichen Räumen wie Kaufhäusern
oder Bahnhöfen." FR 6.7.00 S. 4
"'Videoüberwachung gaukelt Sicherheit vor'
... Der Datenschutzbeauftragte des Bundes, Joachim Jacob, wies
in seiner Stellungnahme auf die besonderen Risiken für das Recht auf
informelle Selbstbestimmung hin. Er warnte vor einer 'Überwachungsinfrastruktur',
die unvermeidbar auch völlig unverdächtige Personen betreffe.
Jacob hält es nicht für erforderlich, die bestehenden Befugnisse
auszuweiten." SZ 6.7.00 S. 5
*
"Kopieren von Daten ist Kündigungsgrund
Wer Daten des Arbeitgebers für private Zwecke kopiert,
muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Das teilt der Anwalt-Suchservice
unter Berufung auf ein Urteil des Sächsischen Landesarbeitsgerichts
mit. ... (Az.: 2 Sa 34/99)" SZ 6.7.00 S. 5
*
"West-Stasi-Akten: Regierung um Transparenz
bemüht / DDR-Vergangenheit
Die Bundesregierung hat bereits Nachverhandlungen mit den USA
über den Geheimschutz von Stasi-Akten geführt, die von der CIA
an Deutschland zurückgegeben werden, aber wegen angeblicher Geheimschutzvereinbarungen
nicht ohne weiteres von der Gauck-Behörde aufgearbeitet werden können."
WELT 6.7.00 S. 4
*
"Kreditkarten-Betrug im Internet wächst überdurchschnittlich
... Fast zehn Prozent der Internet-Transaktionen mit der Eurocard
seien betrügerisch, sagte der Geschäftsführer der Euro Kartensysteme,
Manfred Krüger. ... Er empfahl Verbrauchern, im Internet mit Kreditkarten
nur bei Unternehmen zu bezahlen, von denen man wisse, dass sie sehr seriös
seien. Allerdings bleibe ein Restrisiko, dass die Daten ungesichert übertragen
werden." FAZ 6.7.00 S. 29
*
"Härtere Zeiten für Geldwäscher
/ EU-Parlament fordert schärfere Vorschriften / Bankgeheimnis
lockern
... Die Kommission möchte nun das Bankgeheimnis aufheben,
wenn ein Verdacht auf Geldwäsche besteht. In bestimmten Fällen
sollen auch Rechts- und Steuerberater künftig mögliche Anhaltspunkte
für ein Delikt den Behörden melden. ... Dem Straßburger
Parlament genügen diese Vorschläge jedoch nicht. ... So
soll zum Beispiel bei der Kontoeröffnung die Identität des Bankkunden
anhand eines amtlichen Dokuments von einer dazu befugten staatlichen Stelle
festgestellt und beglaubigt werden." FAZ 6.7.00 S. 19
*
"Neue Erhebungsmethode bei der Media-Analyse
Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AG.MA) ist ein Zusammenschluss
Werbung treibender Firmen - wie etwa Werbeagenturen - und Medien. Sie führt
sei 1972 Reichweitenerhebungen für Printmedien und für Hörfunksender,
die sogenannte Medien-Analyse (MA), durch. Auf Grundlage der MA-Daten die
eine Art 'Währungscharakter' haben, werden die Preise für Werbespots
und Werbeanzeigen festgelegt. Zum ersten Mal seit fast dreißig Jahren
wurde die diesjährige MA mit einer neuen Methode erhoben. Die
MA 2000 basiert auf CATI - Computer Aided Telephone Interviewing,
... . ... Wer angerufen wird, das unterliegt dem Zufallsprinzip. Der Computer
sucht sich die Teilnehmer aus einem elektronischen Telefonbuch heraus.
... ... ein spezielles Auswahlverfahren entwickelt, das nicht nur von den
veröffentlichten Telefonnummern ... , sondern von fast allen vergebenen
privaten Festnetzanschlüssen in Deutschland ausgeht." FR 6.7.00
S. 24
*
"Machtloser Ausschuss zu 'Echelon'
Das Europaparlament will vor dem Hintergrund von Vorwürfen
gegen das USA-Spionagesystem 'Echelon' die Europäer besser vor Wirtschaftsspionage
schützen. Dazu stimmte die EU-Vertretung am Mittwoch für
die Einrichtung eines Ad-hoc-Ausschusses. Dieses nichtständige Gremium
mit 36 Mitgliedern soll bis zum kommenden Jahr klären, ob die EU-Institutionen,
die Industrie und die Bürger der Unionsländer ausreichend vor
Nachrichtendiensten geschützt sind." ND 6.7.00 S. 6
"Spionage:
Die EU will Berichten nachgehen, wonach das amerikanisch-britische
Spionage-System Echelon auch zur Wirtschaftsspionage gegen EU-Länder
eingesetzt wurde." BerlZtg 6.7.00 S. 8
*
LOKALES
Bayern:
"Schwieriges Zeug / Gerichtsurteil in Stuttgart
- Über die 'taz', das St. Josef Stift und die Probleme einer öffentlichen
Debatte zur Humangenetik
... ... Expertengruppe, die die Heimleitung des St. Josefs-Stift
mit der Untersuchung der seit Jahren kursierenden Gerüchte und Verdächtigungen
beauftragte. ... Die Kontrolleure ermittelten, dass seit 1993 in humangenetischen
Sprechstunden Behinderte zum Teil ohne Zustimmung ihrer Eltern oder ihrer
gesetzlichen Betreuer vorgestellt und fotografiert worden sind. Überdies
seien Chromosomenanalysen und molekulargenetische Diagnosen für zwei
Würzburger Dissertationen angefertigt worden, ... . ... Obschon die
Expertengruppe bei den Humangenetikern einen 'auffälligen Umgang'
mit dem Thema der Schweigepflicht bemerkt hat, 'die ganz massiv dafür
eingesetzt wurde, die notwendige Aufklärung zu behindern', glaubt
sie in einem Punkt Klarheit zu besitzen: Sie konnte keine stichhaltigen
Hinweise aufspüren für die Vermutung, es seien von den Würzburger
Humangenetikern Medikamente an Behinderte erprobt worden. ... Einer immerhin
ist froh, dass nach früheren staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen
und Rügen des bayerischen Datenschutzbeauftragten Reinhard Vetter
nicht zuletzt dank des taz-Berichts Licht ins Dunkel gekommen ist. Ulrich
Spielmann, Geschäftsführer des St. Josefs-Stifts, ist froh, dass
der Verdacht auf Pharmastudien ausgeräumt wurde." SZ 6.7.00
S. 21
*
Berlin:
"Die Nervosität bei Polizisten und Haltern
von Kampfhunden wächst / Heute tritt die verschärfte neue Verordnung
in Kraft - Werthebach: Bezirke für deren Kontrolle zuständig
- Passanten verunsichert
... Das neue Hundegesetz soll am Dienstag im Senat beraten und
beschlossen werden. ... ... sagte Sozialsenatorin Schöttler ... .
Der Gesetzentwurf werde ein Halte- und Zuchtverbot für fünf Kampfhunderassen
vorsehen. ... Auch datenschutzrechtliche Vorgaben ... würden
im Gesetz geregelt." WELT 6.7.00 S. 38
*
Hessen:
"Es geht nicht um Tier-, sondern um Menschenschutz
/ Innenminister Bouffier geht mit einer Eilverordnung rigoros gegen Kampfhunde
und ihre Halter vor
... Genehmigungen ... wird es jedoch nur in 'besonderen Ausnahmefällen'
geben. ... So müssen die Halter einen einwandfreien Leumund und ein
'berechtigtes Interesse' nachweisen." FR 6.7.00 S. 29
*