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zum Datenschutz] [Abkürzungen der ausgewerteten
Tageszeitungen]
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"Im Netz verheddert / Internet-Steuer am
Arbeitsplatz
... Datenschützer befürchten den gläsernen Arbeitnehmer
und warnen vor unheimlicher Kontrolle. ... Wer erfasst, wann welcher Mitarbeiter
wie lange und aus welchen Gründen die virtuelle Welt besucht hat?"
SZ 10.8.00 S. 21
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"Netscape hat Probleme mit dem Navigator / Sicherheitslücke
entdeckt
... Der Fehler ermögliche unberechtigten Personen den Zugang
zu Computerdateien, wenn der Nutzer der Software im Internet surft
oder eine E-Mail öffnet." HB 10.8.00 S. 22
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"Agentensuche statt Argumente vor der Präsidentenwahl
in Polen / Berufungsgericht durchleuchtet die Vergangenheit von Kwasniewski
und Walesa
... Das 1977 in Kraft getretene 'Durchleuchtungsgesetz' verpflichtet
höhere Staatsbeamte und Inhaber öffentlicher Ämter sowie
Kandidaten für solche Positionen, über eine mögliche Zusammenarbeit
mit den staatlichen Sicherheitsdiensten in den Jahren 1944 bis 1990 Auskunft
zu geben. ... Juristen, Politiker und Publizisten kritisieren an dem Überprüfungsgesetz,
dass es keine Instanz benenne, die den Sonderanwalt kontrolliere.
Bedenklich sei außerdem, dass er selbst keinen Zugang zu den etwa
im Innenministerium lagernden Dossiers der Geheimdienste habe und deshalb
auf das Material angewiesen sei, das ihm dortige Beamte zur Verfügung
stellten. Bekannt ist auch, dass das heute vorhandene Aktenmaterial
wenig Aussagekraft hat, weil viele Dossiers nach dem Zusammenbruch des
Kommunismus vernichtet wurden bzw. vorher von Agenten gefälscht worden
waren." HB 10.8.00 S. 7
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LOKALES
Berlin:
"CDU drängt auf Videoüberwachung
Die Berliner CDU drängt auf eine Videoüberwachung
gefährlicher öffentlicher Orte." MoPo 10.8.00 S. 30
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Brandenburg:
"Künftig Aufenthaltsverbote und Videoüberwachung
in Brandenburg möglich / Straftaten sollen so verhindert werden /
Kabinett billigt Novelle des Polizeigesetzes / Strukturreform geplant
... Die neue Regelung soll zunächst fünf Jahre gelten,
um Erfahrungen zu sammeln. Danach soll der Landtag neu entscheiden. Eine
Zahl der zu überwachenden Plätze steht nicht im Gesetz,
wohl aber spricht Schönbohm in seiner Kabinettsvorlage von bis
zu fünfzehn Plätzen, die gleichzeitig überwacht werden könnten.
In den ersten beiden Jahren sollen es jedoch nur bis zu zehn Plätze
sein. Welche Orte mit Videokameras überwacht werden, entscheidet -
dies ist erstmalig in Deutschland - das Innenministerium. ... Die
laufenden Aufnahmen werden von einem Polizeibeamten überwacht. Wird
er dabei Zeuge einer Straftat oder vermutet er, daß eine Straftat
vorbereitet wird, kann er die Kamera näher auf den Vorgang richten
und das Videoband einschalten. Die Videoüberwachung wird jeweils
angekündigt." FAZ 10.8.00 S. 10
"Plätze in Brandenburg werden künftig
mit Kameras überwacht / SPD stimmt mit 'Bauchschmerzen' der Videokontrolle
zu / Berliner CDU will nachziehen / Datenschützer skeptisch
... Im benachbarten Berlin gerät die SPD unter Druck: Die
CDU drängt sie, es den Kollegen in Potsdam nachzutun. ... Brandenburg
folgt den Ländern Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt,
die entsprechende Regelungen getroffen hatten. Auf Wunsch der SPD
soll die Videopraxis nach fünf Jahren überprüft werden.
... Zwei von fünf Polizeipräsidenten im Lande halten den Einsatz
von Kameras nicht für erforderlich, die Gewerkschaft der Polizei (GdP)
lehnt ihn entschieden ab. ... So hat sich der Datenschutzbeauftragte von
Brandenburg, Alexander Dix, vergeblich gegen das Vorhaben seiner Landesregierung
gestemmt. Er halte 'einen so massiven Eingriff in die Grundrechte' für
unverhältnismäßig, sagt Dix." FR 10.8.00 S. 1
"Ab 2001 überwachen Videoaugen öffentliche
Plätze / Landesregierung beschloss Novellierung des Polizeigesetzes
- Auch 'Finaler Rettungsschuss' und Aufenthaltsverbote möglich
... Brandenburgs Datenschutzbeauftragter Alexander Dix
kritisierte die Videoüberwachung als massive Verletzung des Grundrechts
aller Bürger, sich unbeobachtet in öffentlichen Räumen zu
bewegen. Dem widersprach Schönbohm. 'Das Videoband läuft
nur in dem Augenblick, wo dringender Verdacht auf eine Straftat besteht.'"
WELT 10.8.00 S. 42
"Brandenburg führt Video-Überwachung ein" SZ 10.8.00 S. 6
"Kabinett bestätigt das umstrittene Polizeigesetz
/ Entwurf erweitert Befugnisse der Beamten
... ... die Gewerkschaft der Polizei spricht sich mit dem Argument,
dass allenfalls eine Verdrängung von Kriminalität stattfinde,
gegen die Videoüberwachung aus. ... In den kommenden zwei Jahren können
maximal zehn, danach 15 öffentliche Orte von Videokameras überwacht
werden. Voraussetzung: Die Polizei muss nachweisen, dass dort vermehrt
Straftaten begangen werden. Den Einsatz genehmigt der Innenminister. ...
Datenschutz: Die erhobenen Daten müssen in der Regel nach einem
Monat gelöscht werden." BerlZtg 10.8.00 S. 27
"Öffentliche Plätze unter Beobachtung
/ Potsdamer Kabinett hat Novelle zum Polizeigesetz beschlossen / Kontroverse
über finalen Rettungsschuss
... Allerdings konnte sich Innenminister Jörg Schöhnbohm
(CDU) nicht mit allen Vorstellungen zur Videoüberwachung durchsetzen:
Gegen sein Votum und das der übrigen drei CDU-Minister wurde die Videoüberwachung
auf einen Zeitraum von sechs Jahren befristet. Danach treten die Bestimmungen
außer Kraft. ... Aufzeichnungen rund um die Uhr wird es nicht geben. Zulässig
ist ein Mitschnitt nur, wenn davon ausgegangen werden kann, dass Personen
Straftaten begehen wollen." Tsp 10.8.00 S. 20
Kommentar:
"Schönbohms Theorie und die Praxis
... Diesmal sind es keineswegs nur Datenschützer, die gravierende
Bedenken vorbringen. Ausgerechnet Polizisten weisen auf den gewichtigen
Unterschied zwischen Schönbohms Theorie und der Praxis hin. ... Dieser Verdrängungseffekt
wird der Polizei die Arbeit erschweren. Zugleich muss stets eine Streife
im Hintergrund bereitstehen, um im Notfall einzugreifen. ... Die Sozialdemokraten
im Lande machen sich diese Argumente durchaus zu Eigen - und haben
nun doch dem Druck nachgegeben. Sie scheinen darauf zu vertrauen, das Rad
in fünf Jahren zurückdrehen zu können, wenn der 'Modellversuch'
zu Ende geht. Das ist naiv - und macht zugleich den benachbarten Genossen
in Berlin das Leben schwer." FR 10.8.00 S. 3
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